Aus dem Leben einer Gewürzhändlerin: Beschaffungsproblematik durch veränderte Umwelteinflüsse

 

Ich bin keine Lebensmitteltechnikerin und kein „Öko-Freak“, ich liebe die Gewürze und das, was wir daraus zaubern können. Ich bevorzuge Bio-Ware, wenn ich die Wahl habe und achte und liebe die Produkte, mit denen wir arbeiten.

Sehr überrascht war ich, als ich Ende letzten Jahres von der Problematik um den Bio Kreuzkümmel erfahren habe. Pyrrolizidinalkaloid ist ein Begriff, der nicht täglich in meinem Sprachgebrauch vorkommt. Nun ist aber der für so viel gutes Essen verantwortliche Kreuzkümmel genau wegen einem zu hohen PA-Wert nicht mehr handelbar. Es handelt sich aber nicht nur um eine Charge eines Produzenten. Betroffen sind vielmehr alle Chargen aller möglichen Produzenten. Die durchgängig hohen Werte lassen vermuten, dass die Schuld nicht nur bei den Kräutern liegt, die bei der Bio Ware eben mit auf dem Feld stehen und somit für die hohen Werte verantwortlich sind, sondern die Pflanze selbst lernt, PA zu bilden. Eine Forschung zum Thema durch das Bundesinstitut für Risikobewertung fehlt bisher. Bio Kreuzkümmel ist am Markt mittlerweile nicht mehr erhältlich; auch wir haben lediglich Restmengen in den Regalen. Wir müssen mindestens auf die neue Ernte warten (das dauert dann ungefähr ein Jahr, bis die Ware wieder beim Endverbraucher, bei euch, ist). Eine Gewissheit gibt es aber auch dann nicht. Danke dem Klimawandel wird es künftig vielleicht möglich sein, Kreuzkümmel weiter im Norden oder Osten anzubauen, sprich, bei uns. Das würde aber Jahre dauern.

Der nächste Pyrrolizdin-Problemfall ist Oregano. Es fallen viele Partien aus, der konventionelle Marktführer Fuchs hat aktuell einen Rückruf bis zum Endverbraucher deswegen laufen. Es wird analysiert ohne Ende und Preise für Chargen, die durchgewunken werden können, fallen logischer Weise allein dadurch viel höher aus, als eigentlich nötig.

Die Rückstandsproblematik bei den Bio-Einzelgewürzen macht uns zu schaffen - es gab in den vergangenen Monaten einen deutlichen Anstieg der Kontaminationen und Pestizide. Die rechtliche Situation ist noch unklar, da die Höchstwerte noch nicht verabschiedet sind. Es ist auch unklar, aufgrund welcher Werte die Behörden jeweils entscheiden. Auf jeden Fall sind die hohen PA-Werte kein Bio-Problem, wie ich ursprünglich dachte, sondern betreffen auch die mit Herbiziden beikräuterfrei behandelten Flächen und Produkte.

All das klingt nicht gut und ist sehr besorgniserregend. Zusammen mit dem Klimaphänomen steigt der Pestizideinsatz. Nichts ist trotz „intelligenter Technologien“ bisher gesunken, weder Pestizidfunde, noch CO²-Ausstoß. Die schleichende Vergiftung unserer Lebensgrundlagen Erde, Wasser und Luft hat dieselbe Brisanz wie die Erderwärmung. Bis 2050 werden wir die 2°C überschritten haben. Meine Kinder werden die 2-4°C noch mitbekommen; die Überlebenschancen für Säugetiere und Menschen sinken jedoch rapide. Bis vor kurzem habe ich mir gesagt: Ach ja, mal wieder ein Sturm, eine schlechte Ernte, weniger Menge – warten wir auf die nächste Saison. Aber nein, es ist ganz anders: Immer seltener gelingt eine „normale“ Ernte. Nicht, dass wir hungern müssten. Es werden aber sehr viele Pflanzen dem Klimastress nicht mehr Herr.

Kreuzkümmel ist das Gewürz des Monats März.

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